Entwicklungen in Panixtlahuaca/ Oaxaca - neuerliche Bedrohung - kommunales Radio bleibt auf Sendung
Dresden und Oaxaca 9.2.2006
Ende vergangenen Jahres riefen promovio e.V. und das Ökumenische Büro
für Frieden und Gerechtigkeit (München) zu einer Dringenden Aktion
auf, um die Gemeinde San Miguel Panixtlahuaca zu unterstützen, die im
Distrikt Juquila im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca liegt. Dort
wurden Mitglieder der Dorfverwaltung und der lokalen Gruppe von OIDHO
(Indianische Organisationen für die Menschenrechte) vom Bürgermeister
und seinen Anhängern mit dem Tode bedroht. Hintergrund bildeten unter
anderem Konflikte zwischen dem Bürgermeister (sowie dessen
Gefolgsleute, die von der PRI unterstützt werden) und den neu
gewählten Mitgliedern des Comisariado de Bienes Comunales (sowie
ihren UnterstützerInnen, die teils Mitglieder der lokalen Basisgruppe
von OIDHO sind).
Auch die Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko (München)
verfasste im Dezember 05 eine eigene UA und wandte sich darin an
VertreterInnen verschiedener Regierungsstellen in Oaxaca.
Nach Auskunft von OIDHO aus Oaxaca-Stadt, die um die Unterstützung
gebeten hatten, hatte die Acción Urgente von November/ Dezember 2005
spürbare Auswirkungen auf die Situation in Panixtlahuaca: Die Partei
der Institutionalisierten Revolution (PRI) musste dort ihre
Einflussnahme teilweise zurücknehmen, so unsere aktuellen
Informationen.
Vor Weihnachten 2005 noch wurde eine Generalversammlung des Dorfes
einberufen, in der zwischen den widerstreitenden Gruppierungen ein
Pakt zum Gewaltverzicht geschlossen wurde. Anscheinend war ein Teil
der Dorfbevölkerung dazu entschlossen gewesen, den Bürgermeister,
gegen den sich der Unmut richtete, notfalls mit Gewalt aus dem
Rathaus zu entfernen. Zu diesem Dorfversammlung erschienen die
Gefolgsleute des Bürgermeister von Panixtlahuaca bewaffnet.
Entsprechend der Gewaltvermeidungsstrategien, die OIDHO in seinen
Kursen zur politischen Bildung vermittelt, ließen sich die Mitglieder
der lokalen OIDHO-Gruppe sowie die große Mehrheit der Bevölkerung von
Panixtlahuaca, die das Comisariado de Bienes Comunales unterstützen,
hierdurch nicht provozieren: Zum Schutz bildeten Frauen eine Kreis um
gefährdete Personen. Die Dorfautorität verpflichtete sich bei dem
Treffen, die Geschäfte der Gemeinde entsprechend der lokal geltenden
Rechte der "Sitten und Gebräuche" zu führen.
Nach diesem "Friedensschluss" und einigen Tagen der Entspannung wurde
allerdings wiederum versucht, Druck aufzubauen: Die Vertreter der
Bienes Comunales sollten zur Unterzeichnung einiger Dokumente
gedrängt werden, ohne dass zu dem betreffenden Thema vorab eine
Versammlung einberufen worden wäre - was die lokale Gesetzgebung
allerdings in diesem Fall verlangt. Nachdem die Vertreter sich
hiergegen widersetzt hatten, versuchte der Bürgermeister neuerlich,
die Arbeit des Comisariado de Bienes Comunales zu behindern.
Anfang Januar wurden wiederum Drohungen ausgesprochen. Betroffen
hiervon waren bzw. sind einige junge Frauen der lokalen Basisgruppe
von OIDHO, die das kommunalen Radio der Gemeinde betreiben - einem
der wenigen freien, lokalen Sender im Bundesstaat.
Laut unseren
Informationen drohten Gefolgsleute des örtlichen Bürgermeisters ihnen
sexuelle Vergewaltigung an.
Ende Januar wurde von der lokalen OIDHO-Gruppe eine Dorfversammlung
einberufen. Die Bevölkerung wurde darin gefragt, ob die das lokale
freie Radio unterstützen würden oder ob sie es für besser hielten,
die Radiostation aufgrund der Bedrohung vorläufig zu schließen. Die
anwesenden Personen bestanden darauf, die Sendungen aufrecht zu
erhalten. Als Gründe hierfür wurden genannt, dass das das Radio das
wichtigste Element der kommunitären Arbeit darstelle und für den
Erhalt vertrauenswürdiger Information unverzichtbar sei.
Aufgrund einer Anzeige der Menschenrechtsverletzungen in
Panixtlahuaca seitens von OIDHO (Oaxaca-Stadt) intervenierte die
Comisión Nacional de Derechos Humanos (Nationale
Menschenrechtskommission) in diesem Fall und forderte die Regierung
des Bundesstaates auf, die Vorfälle zu untersuchen. Aus diesem Grunde
wurde auch Adriana Mendoza Mendoza, Vorsitzende des OIDHO-Komitees in
Panixtlahuaca, von der "Procuradoria General de Justicia del Estado"
Anfang Febuar (am 6.2.2006) befragt. Adriana ist eine der Personen,
die schon seit Ende vergangenen Jahres mehrfach Morddrohungen
erhalten hatten. Weitere Informationen zu dem Fall folgen.