Zielstrebig ins Präsidentenamt
Wer ist Felipe de Jesús Calderón Hinojosa?
Der bieder und unscheinbar wirkende 44-jährige Politiker aus dem
Bundesstaat Michoacán hat eine Eigenschaft, die ihm immer wieder
diente: Er läßt sich gerne unterschätzen. Sein Werdegang ist eine
zielstrebig angegangene politische Karriere. Aufgewachsen in einem
konservativen Elternhaus schloß Calderón 1987 seine Ausbildung zum
Anwalt in Mexiko-Stadt ab. Außerdem weist er das für die
wirtschaftsliberale Technokratenelite Mexikos fast unabdingbare
Studium in den USA auf: Ein Master für Öffentliche Verwaltung an der
Harvard-Universität.
In der klerikal-konservativen Partei der
Nationalen Aktion (PAN) schaffte sich der neue Präsident früh eine
Basis: Vom Posten des Bundessekretärs der PAN-Jugendorganisation
folgte bereits 1987 der Sprung in den Parteivorstand. 1996 übernahm
Calderón für drei Jahre den Parteivorsitz. Im Bundesparlament war er
Fraktionschef. Nachdem die PAN im Jahr 2000 die PRI nach 71
Regierungsjahren an der Macht ablöste, war der Sprung ins Kabinett
nur eine Zeitfrage. Präsident Vicente Fox berief Calderón 2003 zum
Energieminister. Kurze Zeit später bewies der Minister, dass er ein
gewiefter Gegner sein kann. In einem Moment, in dem die First Lady
noch als mögliche zukünftige Präsidentschaftskandidatin galt, machte
Calderón eigene Ansprüche geltend. Die umgehend folgende Rüge von
Vicente Fox nutzte er zum demonstrativen Rücktritt und zur
Distanzierung vom bei der PAN nicht durchweg beliebten Staatschef.
Scheinbar aussichtslos, schaffte Calderón 2005 in der parteiinternen
Kandidatenausscheidung gegen den von Fox favorisierten damals
Innenminister Santiago Creel innerhalb weniger Wochen einen
Stimmungsumschwung zu seinen Gunsten. Am Ende fügte er Creel eine
demütigende Abstimmungsniederlage zu. Ähnlich rollte er bei der
Präsidentschaftswahl das Feld von hinten auf. Statt großartiger Ideen
präsentierte er eingängige Plattitüden - und wartete er auf die
Fehler seiner Konkurrenten. Im Endspurt setzte Calderón auf einenäußerst aggressiven Verleumdungsfeldzug - unterstützt von den
wichtigsten Medien und der Wirtschaft. Den lange Zeit alle Umfragen
mit weitem Abstand anführenden Oppositionskandidaten López Obrador
traf dies unvorbereitet. Das Ende ist bekannt. Wirkliches Charisma
hat der neue Präsident nicht. Auch kam sein Vorgänger Fox vor sechs
Jahren mit wesentlich mehr Legitimation und einem größeren
Stimmenanteil ins Amt. Doch eines kann sich die Opposition nicht
leisten: Calderón unterschätzen.
Calderon und AMLO, Quelle: http://newsimg.bbc.co.uk