Am 4. Mai früh morgens dringt die mexikanische Polizei unweit der Hauptstadt in die Gemeinde Atenco ein und verhaftet wahllos an die 200 Personen, unter ihnen viele Frauen.Der Anlass ist eine Auseinandersetzung am Tag zuvor, in deren Verlauf ein Polizist einen Jugendlichen erschießt. Dahinter steckt jedoch ein politisch-militärisches Kalkül aus den Handbüchern des Kriegs niedriger Intensität vor den Wahlen am 2. Juli.
Die extreme Rechte unter Präsident Fox und Präsidentschaftskandidat Felipe Calderón will Stärke zeigen. Die Gemeinde Atenco, die sich 2001 erfolgreich dem Bau eines neuen Flughafens entgegenstellte, muss dafür herhalten. Es kommt zu extremer physischer und psychischer Gewalt, mehrere Personen erleiden Schußverletzungen. Auf dem Weg ins Gefängnis werden Frauen vergewaltigt und sexuell misshandelt. Vier der fünf von den Festnahmen betroffenen Personen aus dem Ausland sind Frauen. Sie werden zwei Tage später abgeschoben.
Trotz eines Medienvorhangs von Vertuschung und falscher Schuldzuweisungen setzte eine breite Solidarisierung mit den Opfern ein: Zwei Tage nach der Repression organisiert die „andere Kampagne“ einen Protestmarsch nach Atenco mit Subcomandante Marcos an der Spitze. Ziel ist die Freilassung aller Gefangener. Vor dem Gefängnis entsteht ein Protestcamp.
„Frauen ohne Angst“ organisierte am 22. Mai abends eine kulturelle Großveranstaltung im Zeichen des Widerstands der Frauen. Die andere Kampagne (ein Zusammenschluß Linker antikapitalistischer Kräfte, die dem Wahlkampf wenig abgewinnen können und eine Mobilisierung von unten vorantreiben) spricht offen von „Frauen als Kriegsbeute“.
Am 28. Mai erreichen die Proteste in Mexiko-Stadt ihren bisherigen Höhepunkt. Zehntausende versammeln sich auf dem Zocalo, dem größten Platz der Hauptstadt, fordern Bestrafung der Täter und Freilassung der mitlerweile noch 27 in Hungerstreik befindlichen gefangenen, 21 Männer und 6 Frauen. Auch international gibt es zahlreiche Proteste, so auch in Wien während des „alternativengipfels“. Am 27. Mai bricht eine internationale Kommission der Zivilgesellschaft zur Erkundung der Lage und zu Gesprächen mit Betroffenen und Verantwortlichen auf. Über die Hälfte der Kommissionsmitglieder vor allem aus Spanien und Italien sind Frauen. Die Regierung ist deutlich in die Defensive geraten und die Lage mehr als angespannt.
Juliane Fischer, eine junge Berlinerin, die in Wien internationale Beziehungen studiert, nimmt an der Kommission teil.