Die 5. Woche der otra campana


von Michael Kummer

Nach den Staaten Chiapas, Campeche, Yucatan, Quintana Roo, Tabasco und Veracruz zog die otra campaña eine Woche lang durch Oaxaca.Die allgemeine Stimmung und was aus der anderen Kampagne geworden ist wird hier beschrieben, Details aus Oaxaca folgen...


Quelle: www.chiapas.indymedia.org

So wie im vergangenen Monat trifft der Zapatisten-Spokesman Subcomandante Marcos , alias Delegado 0 die naechsten fünf Monate mit Leuten und Organisationen zusammen mit dem Ziel zuzuhoeren und den einfachen und simplen Menschen einen Raum zu schaffen wo ihnen zugehoert wird. Und so wie im letzten Monat war der Rhythmus der anderen Kampagne auch in Oaxaca atemberaubend. Zwei oder drei Begegnungen taeglich sind Standard, manchmal sind es auch vier. Das Werkzeug darf nicht fehlen: das Notizbuch in dem mitgeschrieben wird und natürlich die offenen Ohren. Jeder und jedem die das Wort ergreift wird zugehoert, allen schaut der Delegierte in die Augen und alle finden einen Eintrag im Notizbuch, vor allem jene, die ihre Geschichte erzaehlen oder von ihren Freund/innen und Bekannten in den Gefängnissen erzählen.

Viele formulieren ihre Forderungen und Hilferufe, andere decken die unverschämte Korruption auf und berichten von der offen gewalttätigen Repression und Einschüchterung die denen blüht, die dagegen ankämpfen. Natürlich fehlen auch die nicht, die schon immer mal ihre Stimme durch den Verstärker hören wollten und es dabei belassen dem Sup zu danken, ihn willkommen zu heissen und ein lautes „ Ya Basta “ ins Mikrophon zu brüllen. Auch für sie gibt es ein offenes Ohr und ein lächelndes Auge, vermutlich weil sie, wenn auch nicht so eloquent, begriffen haben, worin die Motivation der ganzen Unternehmung besteht.

Quelle: www.chiapas.indymedia.org

Es ist ein Marathon für die Konzentrationsfähigkeit eines jeden, der die Kampagne ein paar Tage begleitet, aber vermutlich hat sich der Delegierte im Laufe der Zeit einiges an Konzentrationsfähigkeit antrainiert. „Uns gibt es nicht erst seit 1994“, erklärte er Anfang Jänner in Chiapa del Corso und in Tuxtla Guttierrez (Chiapas). „Seit 1984 sind wir von Dorf zu Dorf gereist, haben mit den Leuten geredet und versucht Dinge zu finden, die uns verbinden. Dann sind wir wiedergekommen und haben wieder mit den Leuten geredet...“. Es hat seine Zeit gebraucht, bis dieser Prozess zu Ende war aber was 1994 dabei rausgekommen ist, ist heute fester Bestandteil der Geschichte von Chiapas und Mexiko.

Der Prozess ist langwierig, aber überall wo der Delegierte hinkommt passiert das gleiche. Isolierte Kämpfer begegnen sich, lernen sich kennen und hören einander zu. Teilweise tun sie es zum allerersten mal und ein Fixpunkt besteht darin, den einfachen und schlichten Leuten, um die es in dieser Bewegung von links-unten geht, das Wort zu überlassen, auch wenn es keine geschliffene Rede ist, von Wiederholungen und Redundanzen strotzt und mitunter unzusammenhängend oder gar unlogisch ist, was sie los werden wollen. „Hört einander zu und versucht den anderen zu verstehen, vor allem all jene, die nicht gut Reden können oder das Wort überhaupt nicht ergreifen. Wenn nicht einmal Ihr einander kennt, wie sollen sie Euch in Chihuahua kennen lernen,“ ist die immer aufs Neue wiederholte Botschaft die Marcos von den Zapatisten überbringt.

Quelle: www.chiapas.indymedia.org

Aufgebrochen um zuzuhören, die einzelnen Kämpfer in ganz Mexico zum gegenseitigen Zuhören zu motivieren und eine Plattform zu schaffen um Netze zu knüpfen, Verbündete kennenzulernen und Alianzen zu schmieden, entfachen die Zapatisten an jedem Ort ein kleines Buschfeuerchen. Der neoliberale Wind wird das Seine tun um die Feuerchen weiter zu entfachen, und Marcos verkündet immer wieder, dass la otra campaña nur ein Anfang ist, dass die Zapatisten schon im nächsten Jahr wieder kommen werden um die Feuer die weitergebrannt haben zu schüren, Brennstoff nachzulegen und am Flächenbrand zu arbeiten. •

Für weitere Infos hab ich Euch die besten Links zusammengeschrieben, die ich bis jetzt gefunden habe. (Das Urteil basiert auf den Journalisten, die schreiben und dem Vergleich den ich mit meinen Eindrücken habe). Wer keine Zeit hat alles anzuschauen sollte mit narconews beginnen.

La Jornada, http://www.jornada.unam.mx/laotra/, Professionelles Day to day reporting (Spanisch)

Radio Pacheco, http://www.radiopacheco.org/2005/, Junges aber ambitioniertes Day-to-Day -Reporting mit audio-files (Spanisch)

Narconews-otra (englisch auch fuer andere), http://www.narconews.com/otroperiodismo/en.html, interessante Hintergrundberichte in bis zu 6 Sprachen, Videos, gute Links zu anderen guten Artikeln. (i.e. gute Vorselektion für Hintergrundberichte)

Z-net, http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?SectionID=59&ItemID=8517

Las Voces de la otra, http://kehuelga.org/ensuvoz.html, Audio-archiv, taegliche updates mit neuen Redebeitraegen (weil original: Spanisch)

indymedia-chiapas, http://chiapas.indymedia.org/, schwach, aber Fotos, jeden Tag

Quelle: www.chiapas.indymedia.org