DIE "ANDERE KAMPAGNE" DEMONSTRIERT

Von Wolf-Dieter Vogel
(Mexiko-Stadt, 2. Juli 2006, poonal)

Rund 6.000 Menschen demonstrierten am Tag der Präsidentschaftswahlen (2. Juli) in der mexikanischen Hauptstadt, unter ihnen auch der Sprecher der Zapatistischen Befreiungsarmee EZLN (Ejército Zapatista de la Liberación Nacional) Subcomandante Marcos. Aufgerufen hatte die "Andere Kampagne", mit der sich die EZLN und zahlreiche Basisorganisationen "von Unten und für die von Unten" vernetzen. Im Mittelpunkt der Aktion stand die Forderung nach der Freilassung politischer Gefangener, die Anfang Mai bei Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Linken in der Gemeinde San Salvador Atenco nahe Mexiko-Stadt verhaftet worden waren. Noch immer sitzen 30 von ihnen im Gefängnis.

Zudem sprühten Demonstranten zahlreiche Parolen, die sich gegen die Wahlen wandten. "Unsere Ideen von Gerechtigkeit und Freiheit passen nicht in eure Urnen," hieß es auf einem der Transparente. Subcomandante
Marcos, der "Delegierte Null" der Zapatisten für die Andere Kampagne, hatte am Tag zuvor auf einer Bundesversammlung der bündnispolitischen Initiative in Mexiko-Stadt klargestellt, dass man sich nicht offensiv
gegen die Wahlen stellen werde: "Wir müssen die, die wählen wollen, wählen lassen und ihnen zugleich sagen, dass es eine Alternative gibt".

An der Versammlung, die am Freitag und Samstag (30.6 und 1.7.) in einem alten Kino stattfand, beteiligten sich etwa 600 Menschen aus verschiedenen politischen Spektren: Indígenas, Studentinnen und Studenten, Vertreterinnen und Vertreter von Gewerkschaften, Stadtteilorganisationen und Bauernverbänden. Im Vordergrund stand die Vorbereitung der Demonstration am kommenden Tag sowie die Zukunft der
Anderen Kampagne.

Auf der Abschlusskundgebung der Demonstration auf dem Zócaló, dem zentralen Platz im Historischen Zentrum von Mexiko-Stadt, sprach unter anderem eine Vertreterin der Bauernorganisation "Frente de Pueblos
Unidos en Defensa de la Tierra" (FPDT) aus San Salvador Atenco. "Man kann nicht von Demokratie reden, wenn wir weiterhin belagert, geschlagen und vergewaltigt werden, während die Verantwortlichen auf freiem Fuß sind", sagte sie mit Blick auf die Angriffe gegen die Bewohner der Gemeinde. Auch Vertreter der "Anderen Kampagne" aus verschiedenen Regionen Mexikos hielten Redebeiträge.

Die Demonstration war erst im letzten Moment endgültig beschlossen worden. Sie bekam eine besondere Note, da am Tag der Wahlen jegliche politische Betätigung in der Öffentlichkeit verboten ist. Es kam jedoch
nicht zu Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Auch in anderen Städten Mexikos initiierten Aktivistinnen und Aktivisten der Anderen Kampagne am Tag der Präsidentschaftswahlen Aktionen. Ebenso
gab es außerhalb des Landes Solidaritätsaktionen für die Freilassung der Gefangenen von Atenco. So etwa in Rom und Berlin, wo rund 200 Menschen vor der mexikanischen Botschaft demonstrierten.