von Gladis Torres Ruiz
(Mexiko, 12. Oktober 2006, cimac-poonal)
80 Prozent der an der
Südgrenze Mexikos beschäftigten Migrantinnen sind minderjährig, verfügen
über keinen geregelten Aufenthaltsstatus und verdienen die niedrigsten
Löhne in der Region - so eine Studie der guatemaltekischen Forscherin
Lesbia Ortiz Martínez.
Die Studie mit dem Titel "Mexiko und seine südliche Grenze" konstatiert
einen Anstieg des Frauenanteils bei der Migration nach Mexiko über die
Südgrenze. Die Arbeitsmigrantinnen aus Guatemala, Honduras, Nicaragua
und El Salvador sind unter anderem als Hausangestellte, in der
Landwirtschaft und als Sexarbeiterinnen tätig. In der Grenzstadt
Tapachula, die zum im Südosten des Landes gelegenen und an Guatemala
angrenzenden Bundesstaat Chiapas gehört, stammen 90 Prozent der
Hausangestellten aus den besagten Ländern.
Die meisten der aus Guatemala stammenden Frauen würden in der
Prostitution enden, nachdem sie mit falschen Versprechungen über die
Grenze gelockt wurden oder der Versuch einer Einreise in die USA
gescheitert sei. Die Studie betont, dass die guatemaltekischen
Einwanderinnen besonders stark von Menschenhandel bedroht seien oder
bereits Opfer davon wurden.
Ortiz Martínez weist darauf hin, dass in Mexiko bisher kaum Maßnahmen
zur Erforschung der Situation migrantischer Frauen ergriffen wurden.
Durch das Fehlen von Daten und geschlechtsspezifischen Statistiken sei
es schwierig, genaue Angaben zu machen.
Der Menschenhandel war auch Thema einer Untersuchung, die gemeinsam von
der mexikanischen Migrationsbehörde, dem mexikanischen staatlichen
Fraueninstituts und der Internationalen Organisation für Migration
durchgeführt wurde, um dessen Ausmaß und charakteristische Merkmale
herauszuarbeiten. Bis heute, so die von der NGO Sin Fronteras
herausgegebene Studie von Ortiz Martínez, seien die Ergebnisse trotz
massiver Forderungen zivilgesellschaftlicher Akteure nicht
veröffentlicht worden.