Aufenthalt in Las Tacitas Viejas, Juli 2004

von Siegfried Weidlich

Ich gehe gleich in medias res. Der Weg von Ocosingo nach Las Tacitas Viejas war lang...ungezählte Stunden, aber interessante Gespräche und Abhärtung des Hinterteils. Las Tacitas befindet sich im Tiefland des selva lacandona - ca. 30 Familien, schöne Natur, aber viele Gelsen! Ein Photo eines Teils des Weges, der angenehm auszusitzen war:

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Las Tacitas hat den Beinamen Viejas (Alt) deshalb, weil es auch ein Nuevas (Neu) gibt. Mitte der neunziger Jahre hat es Auseinandersetzungen zwischen Zapatistas auf der einen Seite und Paramiltärs, angeblich PRIstas auf der anderen Seite gegeben. Es wurden Tiere getötet, Ernte vernichtet, lt. unserer Information kamen aber keine Leute zu schaden. Der Streit gipfelte in einer Trennung in Las Tacitas Viejas und Las Tacitas Nuevas. Diese Auseinandersetzung kann eigentlich als typisch für den Krieg niedriger Intensität genannt werden. Gezielte Aktionen, die die Lebensgrundlage der Zapatistas zerstören wollen.

alte Kirche in Las Tacitas Viejas

Heute leben in Las Tacitas Viejas mehrheitlich Zapatistas, aber auch noch ein paar PRIistas bzw. Unabhängige (da gibt es unterschiedliche Gruppen/Meinungen).
Ich möchte gleich einmal vorausschicken, dass es so ist, dass wir oftmalig verschiedene Informationen zu ein und demselben Ereignis bekommen haben (z.B.: gibt es noch Konflikte im Dorf, Paramilitärs, etc.), was aber wahrscheinlich in der Natur der Sache liegt, denn auf den Standpunkt kommt es an.
Es stellt sich ja auch die Frage: Wie sehr kann ich diesem Fremden vertrauen? Sollte ich ihm wirklich alles verraten? - kann mir hier nichts passieren, wenn ich die Wahrheit sage? Es herrscht natürlich gewisses Misstrauen, denn die Konflikte sind noch nicht gelöst.

Wir hatten eine eigene kleine Hütte zur Verfügung, in der wir unsere Hängematten aufspannen konnten. Eine zweite Hütte diente als Küche. Jeden Tag in der Früh und abends kam eine Frau bzw. ein Kind und brachte uns ein paar Tortillas und Kaffee. Oft konnten wir Kindern oder Frauen auch Avocados abkaufen, manchmal Eier und Bananen, überhaupt das beste dort. Groß, mit roter Schale....danach will man die Bananen, die man in Österreich bekommt gar nicht mehr sehen. Hauptsächlich ernährten wir uns aber von Bohnen, Reis und Tortillas.

unsere Hütte und unsere Küche

Es war klar, dass das Dorf nicht frei von Konflikten ist, denn es gab ein Geschäft für die Zapatistas und eines für die PRIstas/Unabhängigen. Es gab im Dorf auch zwei Schulen, wobei die Zapatistas keinen Lehrer hatten, die andere Schule hatte angeblich (waren zur Ferienzeit dort - Juli) einen. Die Kinder der Zapatistas werden von Ihren Eltern aber nicht in die andere Schule geschickt, weil sie nicht wollen, dass sie von einem Lehrer, dessen Einstellung der ihrigen entgegengestellt ist, unterrichtet werden.

eine der 2 Schulen. (Übrigens, Lazaro Cardenas war Präsident in den 30er Jahren in Mexiko. Wichtiger Präsident in der Geschichte Mexikos. Sein Sohn war/ist einer der Hauptakteure der PRD.)

Nur 1 km von Las Tacitas gibt es ein Militärlager, wobei im Zuge unseres Aufenthalts das Militär 3x durch das Dorf fuhr. Aber sie sind nur durchgefahren ohne stehenzubleiben oder auch irgendetwas zu tun.
Neben der Beobachtung, Beschäftigung mit Kindern (das ist eine Konstante bei allen Leuten, die als Friedensbeobachterinnen dort waren- die Kinder haben hier schon eine gewisse Erwartungshaltung, die wissen, wenn wer kommt, haben die Zeit sich mit ihnen zu beschäftigen) haben wir auch versucht in der Zeit, in der wir dort waren (sollte einmal erwähnen, dass wir zu zweit waren, Maddy, aus Adelaide, Australien, und ich) 2 Erwachsenen, mit denen wir mehr Kontakt hatten, ein bisschen lesen zu lernen. Ein Jugendlicher ist mir auch noch sehr gut in Erinnerung, mit dem ich ab und zu Schach spielte. Er hatte selbst kein Schach, aber gewann immer gegen mich, unglaublich. Ich bin kein Schachmeister oder so, aber die Tatsache, dass er so gut kombinieren konnte war faszinierend.

Es gäbe ja noch Einiges zu erzählen, aber dieser Bericht ist ja nicht der einzige auf dieser Homepage.
Daher möchte ich ganz einfach noch 3 Bilder, die die Stimmung im Dorf etwas vermitteln sollen, anschließen.
Eine wertvolle Erfahrung war es auf alle Fälle.
Danke an Las Tacitas Viejas für alles, danke an Fraybart.

Versammlungsplatz im Dorf

Laden der Zapatistas im Dorf

Maddy mit Kindern vor der örtlichen Kirche (katholisch)