Lie Poblado Zapatista 24 de Diciembre, Municipio Autonomo San Pedro de Michoacan
Wir sind am Sonntag, den 22. Juli nach San Cristobal gereist und haben am folgenden Tag das Seminar für Menschenrechtsbeobachter im „centro de derechos humanos Fray Bartolomé de las casas“ besucht. Nach einer Einführung in die zapatistische Geschichte wurden uns die Verhaltensregeln und die Aufgaben der Menschenrechtsbeobachter in zapatistischen comunidades erklärt.

Danach wurden wir in 3er Gruppen eingeteilt und in verschiedenen comunidades geschickt. Am Montag und Dienstag haben wir unsere Einkäufe für die comunidad in San Cristobal erledigt und sind dann am Mittwoch Richtung „La Realidad“ gefahren. Da wir zufällig erfahren haben, dass dieses Wochenende in „La Realidad“ der „Encuentro de los pueblos zapatistas con los pueblos del mundo“ stattfinden sollte, haben wir im „Fray Bart“ gefragt, ob wir dort als Menschenrechtsbeobachter teilnehmen können. Auf der Fahrt mit den companeros nach „La Realidad“ sind uns zwei Militärfahrzeuge gefolgt und haben uns eingekesselt, indem ein Fahrzeug uns überholt hat und langsam gefahren ist und ein Auto hinter uns blieb. Sie haben uns aber nicht angehalten, sondern sie wollten uns nur einschüchtern. Nach 6 Stunden Fahrt sind wir gut in „La Realidad“ angekommen.

Wir haben uns dann 5 Tage lang dort aufgehalten. Es war eine sehr gute Erfahrung für uns. Drei Tage lang haben Zapatisten von verschiedenen „comunidades“ über die „otra campana“, „otra educación“, „salud“ und „historia“ de los zapatistas gesprochen. Am letzten Tag hat auch subcomandante Marcos mit comandante Tacho und andere bekannte zapatistische Persönlichkeiten eine Rede gehalten. Als Menschenrechtsbeobachter ist außer 2 kleine Flugzeuge der Regierung, die sehr nahe über das Dorf geflogen sind, nichts zu berichten. Am Montag den 30. Juli haben wir dann die Erlaubnis von der „junta de buon gobierno“ bekommen, uns in „24 de Diciembre“ als Menschenrechtsbeobachter aufzuhalten. Am Nachmittag sind wir dann mit einer zapatistischen camioneta in „24 de Diciembre“ angekommen
Bevor wir unsere Erfahrungen in der comunidad beschreiben, werden wir kurz auf die Geschichte dieses Dorfes eingehen: Während des Guerillakrieges zwischen Zapatisten und mexikanischer Regierung vom 1.- 12. Jänner 1994 wurden die damaligen Dorfbewohner vertrieben und mussten das Land verlassen. Das Gebiet wurde von der Regierung konfisziert und an andere Bauern, die die Regierung (PRI, partido revolucionario institutional) unterstützen, weitergegeben. 1995 wurde auf diesem Gebiet eine Militärbasis gebaut, wo mehr als 500 Soldaten aufgenommen werden können. Am 24. Dezember 2006 beschloss die EZLN sich das Land zurückzunehmen. 31 Familien haben sich dort wieder angesiedelt und das Dorf „24 de Diciembre“ gegründet. Das Dorf ist aber aus mehreren Gründen ständig bedroht:

Da die Situation in diesem Dorf sehr angespannt war und immer noch ist, kamen alle drei Tage zwischen 30 und 80 Zivilisten der „base de apoyo“ aus verschiedenen „comunidades“ zur Unterstützung. Dazu waren wir immer zwischen 8 und 11 „campamentistas“ aus Spanien, Chile, Frankreich, Italien, Deutschland, Schweiz, Mexiko und USA. Vier von uns haben in einem Zelt geschlafen. Die restlichen haben in einem Holzhaus auf einer Hängematte geschlafen, das wir zusammen mit den „Zapatistas“ aufgebaut haben. Nachts haben wir das Regenwasser in einem großen Kübel gesammelt, das wir zum Trinken und Kochen benutzt haben. Falls es nicht geregnet hat, mussten wir das Wasser an einer anderen Wasserstelle holen. Dieses Wasser war allerdings nicht sehr sauber. Jeden Morgen haben uns die Frauen Tortillas und Posol gebracht. Unsere Küche war gleichzeitig auch die Schule der „comunidad“. Der Lehrer, der dort unterrichtete, kommt aus Chile und lebt seit einigen Monaten dort und wird sich noch länger dort aufhalten. Um uns und unsere Kleider zu waschen gingen wir an den nahegelegenen Bach.
Unsere Aufgabe als Menschenrechtsbeobachter war in erster Hinsicht die Situation im Dorf zu beobachten und darüber zu berichten. Wir haben daher die „compas“ auf das Maisfeld begleitet und Fotos der „Momoneros“ gemacht. Die Zapatisten werden durch unsere Präsenz weniger bedroht und dadurch wird internationale Aufmerksamkeit erregt. Aufgrund der angespannten Lage haben wir sogar über mögliche Fluchtwege diskutiert, im Falle dass die Bundespolizei oder die PRIisten Gewalt angewendet hätten und ins Dorf eingedrungen wären. Nebenbei haben wir die „compas“ in den Wald begleitet und ihnen geholfen Holz und Werkzeuge zu tragen, mit den Kindern viel Zeit verbracht, gegen die „compas“ Fußball gespielt (wir haben fast immer verloren!!) und bei verschiedenen kleineren Arbeiten geholfen. Der Aufenthalt im zapatistischen Dorf war eine sehr gute Lebenserfahrung für uns.

Die Bewohner von „24 de Diciembre“ waren uns sehr nahe: sie haben uns wie ein Teil ihrer „comunidad“ behandelt, haben viel Zeit mit uns verbracht und waren bereit uns bei jedem Problem zu helfen. Wenn jemand krank war oder irgendwelche Beschwerden hatte, waren sie sofort da und haben uns ihre Medikamente zur Verfügung gestellt. Die „comunidad“ hat uns durch den „responsable“ vermittelt, wie wichtig wir für sie sind. Die „compas“ haben sich ständig für unsere Anwesenheit bedankt und sich für kleinere Unannehmlichkeiten wie Mücken, Essen, Schlafplatz usw. entschuldigt. Für uns war das aber selbstverständlich, wir waren ja dort um sie zu unterstützen und nicht um Urlaub zu machen. Das Zusammenleben und die Organisation im Dorf war ein sehr bedeutendes Erlebnis für uns. Sämtliche Arbeiten wurden zusammen beschlossen und ausgeführt. Es gab keine Streitigkeiten oder Auseinandersetzungen zwischen den „compas“. Alle Personen im Dorf sind von gleicher Bedeutung. Nach unserem Aufenthalt in der „comunidad“ wünschen wir uns dass wir diese Erfahrung so bald als möglich wiederholen können.
Otro mundo es posible,
zapata vive, la lucha sigue!